Nachdem uns Manni in Mailand vom Flughafen abgeholt und nach Hause gefahren hat liefen im Hintergrund die  Vorkehrungen für den Empfang in Ulten. In St. Walburg wurden wir von der Bergrettung und einigen Freunden herzlich empfangen. Bei einer Ultner Marende und Bier liessen wir den Tag unter Familie und Freunden ausklingen und waren froh wieder zu Hause zu sein...

Ein grosses Vergelt's Gott an die Bergrettung Ulten.
Weiters möchte ich mich bei Rastner Lukas bedanken, der mir stets die aktuellen Wetterberichte geliefert hat; professionell und perfekt. Cutschino-Luki, Vergeltsgott!! Ich könnte mir vorstellen du wirst der 2te Charly Gabl!!!
Weiters möchte ich mich bei meiner Mutti bedanken die mir wieder meine geliebten "after-expedition Wienerschnitzl" serviert hat... und dann noch ein Dank an ALLE die sich freuen,dass wir wieder zu Hause sind!

Im Lager 4 verfolgte ich ein Gespräch zwischen einem Bergsteiger und seinem Sherpa, wo es um Abbruch oder Aufstieg ging. Der Sherpa wollte auch absteigen, nur sein Kunde meinte: wir bleiben hier. Er habe schließlich auch 20000 Dollar bezahlt. Ich hatte kein gutes Gefühl, sie hatten zu wenig Essen mit heraufgenommen und die Schneebedingungen waren alles andere als gut. Wenn ich aus dem Zelt gegangen bin brach ich bis zum "Arsch" im Neuschnee ein. Mein Bauchgefühl sagte mir: steig ab,... aber der Kopf sagte: bleib! Da ich mich auf mein Bauchgefühl bisher immer verassen konnte packte ich meine Sachen und stieg ab. Der Abstieg  war alles andere als lustig. Bei der Hangquerung in Richtung Lager 3 musste ich die fixseile aus dem tiefen Schnee reissen, während ich bis zur Hüfte selbst im tiefen Schnee steckte und ein Weiterkommen nur mit enormen Strapazen möglich war.⁠⁠⁠⁠

Während diesem Kräfte raubenden Abstieg ertöhnte 3 mal ein lautes dumpfes "bummm" und ich dachte mir während ich es auch laut zu mir selber sagte: "bleib jo wou du bisch!". Und ich stellte mir vor, der Hang würde jetzt sicher denken: "Biabl, wos hosch du do zu suachen!!"

Mit gewaltiger Anstrengung erreichte ich nach nicht mehr gezählten Stunden und alleine das Lager 3, von wo sich die Gruppe der Chinesin auf den Weg nach oben machte. Ich sagte ihnen, dass es gefährlich wäre und es sehr viel Neuschnee gebe. Sie stiegen trotzdem auf und zum Glück passte auch alles.

Auf dem nicht besseren Abstiegsweg ins Lager 2 kam plötzlich ein Wolkenmeer auf mich zu und deckte mich komplett ein. Ich sah keinen meter weit mehr. Ich war im totalen White-Out. Die Seile tief im Schnee und keine Sicht... und nur langsam und mit allen Mühen ging es nach unten. Wiederum brauchte ich stunden um das Lager 2 zu erreichen. Unsere Salewa-Zelt war komplett eingeschneit und wenn ich nicht gewusst hätte, dass es hier sein müsste, hätte ich es weder gesehen noch gefunden. Ich begann zu graben bis ich auf das Zelt stieß, musste es mühsam ausgraben und auf den Rucksack packen. Das alles erwieß sich als nicht ganz einfach, da das Zelt an allen erdenklichen Ecken und Kanten total eingeeist war. Und dazu die Kälte und die Erschöpfung.

Beim Abstieg durch die Kinshoferwand erwies sich die Sache auch nicht einfacher. Mit schwerem Rucksack und eingeeisten Fixseilen setzte ich alles daran, durch die Wand zu kommen, um dann wieder Fixseile aus dem Schnee zu graben und durch die Löw-Rinne weiter abzusteigen. Und immer und immer wieder kleine Lawinen links und rechts. Scheiss Tag habe ich mir gedacht.


Das Lager 1, welches an einer ansonsten gut geschützten Stelle war, wurde inzwischen komplett von einer Lawine zestört. Heiliger bimbam... zum Glück hatte Benni, der ja schon bevor ich ins Lager 3 aufgestiegen bin, abgestiegen ist, das Lager 1 abgebaut und ins Basislager geschleppt. Ansonsten hätte es auch unser Zelt komplett mitgerissen und verschüttet.

Unterhalb des Lager 1 kam mir dann Benni beim schleppen der ganzen Ausrüstung zu Hilfe. Mit im Gepäck hatte er eine Flasche Notfall-Cola, welche mir wieder Kraft bis ins Basislager gegeben hat.

 

Zu jener Stunde waren die Verhältnisse nicht gut, aber der Wetterbericht von Lukas war super. Dann der Funkspruch aus dem Lager 4: der Koreaner will mit 2 Sherpas Richtung Gipfel. Die 2 Zicken und 3 weitere Sherpas wollen weiter abwarten. Dann Funkstille und warten...
Nach über 24 Stunden - in denen wir mit allem gerechnet und über 100 Dollar vertelefoniert hatten - die Nachricht vom Gipfelerfolg um ca. 22.00 Uhr. Nun nutzten auch die anderen die Gelegenheit und stiegen bei super Wetter auf und erreichten den Gipfel.
In der Zwischenzeit hatten Benni und ich das Basislager bereits wieder verlassen und irgendwie wollte ich mir in den Arsch beissen, weil ich auf mein Bauchgefühl gehört habe. Aber irgendwie habe ich mich immer darauf verlassen können. Und vielleicht kommt der positive Effekt ja noch.

Jetzt sind wir auf dem Weg nach Islamabad und ich gratuliere all denen, welche den Gipfel bei diesen Bedingungen erreicht haben. Auch wenn sie mit vielen nepalischen Sherpas und Sauerstoff unterwegs waren ist dies eine super Leistung, denn hochgehen müssen sie immerhin selbst.

Ein grosses Bedauern und unser Mitgefühl gillte den Familien des Argentiniers und des Spaniers.
Sie waren super Typen und gewaltige Bergsteiger, wir hatten uns gleich super mit ihnen verstanden. Sie liegen jetzt im "ewigen Eis", da man sie auch nach dem 2ten Suchflug nicht finden konnte. Kurz nachdem ihr letzter GPS-Standpunkt empfangen wurde gab es genau über diesem Gelände einen gewaltigen Lawinenabgang. Mit ihnen und Alex Gavan (welcher die Such- und Rettungsflüge durchführte) wollten wir als gemeinsames Team den Nanga knacken und hätten sicherlich viel Spass dabei gehabt.

Wir werden jetzt schauen direkt nach Islamabad zu kommen um einen Flug zu ergattern und in die Heimat zurück zu fliegen.


Ich bedanke mich bei allen und muss mal wieder zugeben, dass meine Kommunikationstechnik komplett versagt hat. Ich habe xxx Dollar in den Schnee gesetzt und es hat nicht funktioniert. Deshalb musste ich wieder aufs Telefonieren umstellen und so waren die Berichte diesmal eben so wie sie waren.

Vielen Dank all denen, welche mich auch diesmal wieder unterstützt haben, an mich geglaubt und mir die Daumen gedrückt haben.

Ein alter Hochträger sagte gestern zu mir:
"der Gipfel bleibt stehen, aber wichtiger ist es wieder gesund nach Hause zu kommen mit allen Fingern, damit man seine Lieben wieder fest umarmen und angreifen kann"
(wo er mit angreifen gemeint hat,... das schreibe ich jetzt besser nicht!!!)

Vergelt's Gott!

Ein heftiger Streit zwischen einer Japanerin und einer Chinesin gefährdet unsere Expedition. Dadurch herrscht Zwiespalt zwischen den Lagerbewohner, doch eigentlich sollten hier alle zusammen halten, denn es braucht jeden Einzelnen hier, um Seile usw. entlang der Aufstiegsroute anzubringen. Wird keine Lösung gefunden, müssen ALLE die Expedition abbrechen und unverrichteter Dinge wieder heimfahren. WEIBER!

Am Donnerstag gab es einen Suchflug mit 2 Militärhubschraubern, welcher am Freitag fortgesetzt werden sollten. Vermisst werden ein Argentinier sowie ein Spanier, die Suche wurde aber vorerst abgebrochen, da starker Schneefall und weiter herunten starker Regen die Suche unmöglich machten. Für die 2 schaut es nicht gut aus, hoffen wir das Beste.

Am Samstag gingen ich und Blümi mal Richtung Lager 3, dort wo die Luft nicht so dick ist wie hier im Basislager. Die Situation hier ist offen gesagt scheisse, moralisch sind alle angeschlagen.

Mol schaugn wias weiter geat!

Heute wollte ich mit 2 Sherpas von Lager 4 (7.200m) in Richtung Gipfel aufbrechen, da auch das Wetter halbwegs gut mitgespielt hätte.
Leider hat es aber inzwischen viel zu viel geschneit, der Neuschnee liegt hüfthoch. Unter diesen Umständen noch weitere 1000 Höhenmeter aufzusteigen wäre äuserst fahrlässig und ohnehin nur mix wahnsinnigem Aufwand machbar. Ausserdem gibt es ständig sehr massive Lawinenabgänge und eisige Kälte um  - 30 Grad, da hilft dann auch keine Bettflasche mehr.
Es gibt leider schon 2 Tote, das sind 2 zuviel. Nicht zuletzt auch darum habe ich mich entschlossen umzukehren und den Gipfel des Naga Parbat nicht zu besteigen.

Der Berg läuft uns ja nicht davon... es hat halt einfach nicht sein sollen.
Uns geht es jedenfalls soweit gut, wir werden nun zurück ins Basislager absteigen und dann geht's zurück ini Richtung Heimat.

Nachdem wir vom Samstag auf Sonntag im Lager 2 übernachtet haben sind wir am Sonntag in Richtung Lager 3 aufgebrochen. Dort angekommen gings mit den Skiern zurück ins Basislager. Die Abfahrt mit den Skiern erfolgte durch die Löw-Rinne, ein tolles Erlebnis, 1000 Höhenmeter und 70 Grad Steilheit :-)

Jetzt warten wir hier auf den Wetterbericht für die kommenden Tage...

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Nur wo du zu Fuß warst, da bist du auch wirklich gewesen!
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